Miles Davis zählt zu den unantastbaren Legendes des Jazz. Der neue Dokumentarfilm „Birth of the Cool“ erzählt das Leben der Legende. So betörend wie seine Musik ist auch der Film. Doch das Werk konzentriert sich nicht nur auf die Musik von Miles Davis, sondern thematisiert auch seine manchmal durchaus schwierige Persönlichkeit.

Der Trompeter, Komponist und Multiinstrumentalist lebte von 1926 bis 1991 und zählt bis heute als zu den wichtigsten und einflussreichsten Jazz-Musikern aller Zeiten. Er galt schon zu Lebzeiten als der Inbegriff von cool, folgerichtig widmet sich der Film nicht nur seiner bahnbrechenden Musik, sondern auch seinem Auftreten und seiner Attitüde. Die Dokumentation des Filmemachers Stanley Nelson verwebt den Künstler, sein Schaffen, seine Erfahrungen, seinen Ruhm und sein Charisma zu einem großen Ganzen. Dieses Porträt eines Schwierigen, der unbeirrt seinen Weg gegangen ist, folgt der Entwicklung hin zum coolsten Menschen auf diesem Planeten.

Eine Galerie an Jüngern

Nelson hatte bei der Realisierung die volle Unterstützung der Erben von Miles Davis und konnte auf bisher nie gesehenes Material zugreifen. Dazu zählen nicht nur Interviews und Fotos, sondern vor allem auch Studioaufnahmen seiner Sessions. Zahlreiche Weggefährten, wie Clive Davis, Wayne Shorter, Ron Carter, Carlos Santana und Quincy Jones beleuchten die Karriere des Jazz-Superstars, der sich nicht davor scheute Genregrenzen zu überwinden, oder gar zu sprengen. Die Huldigungen überschlagen sich förmlich in der „Anbetung“ von Davis, der als „ein Künstler wie Strawinski“, oder „unser schwarzer Superman“ bezeichnet wird.

Miles Davis Markenzeichen war, neben seiner Kunst, die Reibeisen-Stimme. Diese setzt der Film bewusst als Stilmittel ein. Der Schauspieler Carl Lumbly imitiert den Meister gekonnt und liest in dessen Stimme Passagen aus der Autobiografie von Miles Davis vor. Dies stellt das Fundament der Dokumentation dar, die mit zahlreichen Interviews das Puzzle über das Leben der Jazz-Legende zusammensetzt. Dabei konzentriert sich „Birth of the Cool“ nicht auf jene Phase, in der Davis den Jazz in neue luftige Höhen zog, sondern versucht einen Abriss über dessen ganzes Leben zu bieten. Sein filmischer Lebenslauf erstreckt sich von seinen ersten Familienfotos aus St. Louis bis hin zu einer seiner letzten Shows beim berühmten Jazz-Festival in Montreux.

Die wichtigsten Töne waren jene, die er gar nicht spielte

Das filmische Denkmal wird von seiner Musik perfekt unterlegt. Sie zeigt einmal mehr eindrucksvoll, warum Miles Davis selbst aus der Riege der Superstars seines Genres noch einmal herausragt. Er selbst sagte einmal, dass die wichtigsten Töne jene seine, die er gar nicht gespielt habe. Seine Weltkarriere basierte auf dem unbedingten Willen alles richtigzumachen. Dabei verließ er sich nicht auf bekannte Pfade, sondern stieß als Innovator des Jazz in neue Dimensionen vor. Dabei kannte er keine Scheu, wenn es darum ging unbekanntes Terrain zu erforschen.

Er war berühmt für den ökonomischen Einsatz seiner Trompete, die immer das Wesentlich erfasste und das Unnötige vergaß. Er nahm musikalischen Enden auf, verknüpfte sie zu etwas Neuem und wanderte rastlos weiter. „Birth of the Cool“ spart auch nicht mit den dunklen Seiten im Leben des Musikgenies. Diese waren prägend für die Entwicklung eines Mannes, der als Übervater des Jazz in die Musikgeschichte eingegangen ist.