Nicht erst seit sich Franz Zappa einmal über den „seltsamen Geruch“ von Jazz beschwert hatte, kämpft die Musikrichtung um mehr Anerkennung und Aufmerksamkeit. Da wird jeder „weiße Ritter“ freudig begrüßt. Einer von ihnen hat allerdings das Zeug zum „Retter des Jazz“ zu werden. Kamasi Washington, immerhin schon 1981 geboren, schickt sich an, seinem Ruf gerecht zu werden.

Vom Sideman zum Star

Washington wurde in Kalifornien als Sohn des Saxofonisten Rickey Washington geboren und begann im Alter von 13 Jahren Saxofon zu spielen. Seine erste Jazzformation war die Band Young Jazz Giants, die im Jahr 2004 ein selbst betiteltes Album veröffentlichte. In den Jahren danach war Washington vor allem als Sideman anderer Musiker tätig. Er war auf Platten von Gerald Wilson und Harvey Mason zu hören und ging mit dem Rapper Snoop Dogg auf Tour.

Der Hip-Hop war dann auch jenes Genre, das Kamasi Washington weit über alle musikalischen Grenzen hinaus bekannt machte. Sein Beitrag zum gefeierten „To Pimp a Butterfly“ von Kendrick Lamars aus dem Jahr 2014 lenkte den Blick der Öffentlichkeit auf ihn. Dementsprechend selbstbewusst ging er nun daran sein eigenes Debüt auf den Markt zu bringen.

In jeder Hinsicht episch

„The Epic“ wurde seinem Namen vollends gerecht. Die 3-fach-CD sprengte jeglichen bekannten Rahmen. Neben seinen Eigenkompositionen widmete sich Washington auf seiner ersten Platte auch Jazzstandards und Claude Debussys „Clair de Lune“. Dabei wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt. Die zehnköpfige Band wurde von einem zehnköpfigen Chor und einem 32-köpfigen Orchester unterstützt. Der Aufwand lohnte sich, Jazz-Fans rund um den Globus waren begeistert. Auch in Deutschland fand die Platte großen Anklang. Die Kritiker bescheinigten ihm Jazz mit intergalaktischer Energie und bezeichneten „The Epic“ als Meisterwerk. Ein neuer Star war geboren. Plötzlich war es wieder cool geworden, Jazz zu hören.

Sein Sound ist gleichzeitig anspruchsvoll und doch zugänglich. Diesen Weg setzte er konsequent fort. Die Nachfolgewerke „Harmony of Difference“ (2017) und „Heaven and Earth“ (2018) festigten seinen Ruf als neuer Jazz-Messias. Dies unterstrichen auch die opulenten Live-Auftritte, mit denen er seine musikalische Kraft eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Dort überzeugte Washington mit einem bekannt monumentalen Sound seiner fantastischen Live-Band, die punktgenau von ihrem Leader geführt wird. Leichtigkeit, furioser Groove und wuchtiger Klang verbinden sich zu einem mitreißenden Ganzen, das auch nicht Jazz-affine Musikliebhaber begeistert. Der politisch denkende Mensch Kamasi Washington predigt in seinen Konze rten die Botschaft: „Wir müssen nicht gleich sein, um eins zu sein.“ Er feiert und toleriert die Vielfalt der Menschen, das drückt er auch in seiner Musik aus. Diese schafft eine hinreißende Fusion aus Soul, Jazz und Hip-Hop und formt diese zu einer erstrebenswerten Utopie.

Auf zu neuen Ufern

Als seine musikalischen Vorbilder nennt Kamasi Washington Größen wie John Coltrane, Charlie Parker und Wayne Shorter. Gleichzeitig betont er allerdings, dass er dem Jazz gerne neue Türen öffnen würde. Blickt man auf die letzten Jahre seiner Karriere zurück, dann kann man mit Fug und Recht behaupten, dass ihm das bereits gelungen ist.